Studieren in Europa: Was bedeuten ECTS-Punkte und ECTS-Noten?

Wer nach dem Abitur an einer Hochschule in Deutschland oder im europäischen Ausland studiert, begegnet schon im ersten Semester zwei Begriffen: ECTS-Punkten und ECTS-Noten. Beide klingen ähnlich, bedeuten aber etwas völlig anderes. Dieser Beitrag erklärt, was dahintersteckt und worauf Schülerinnen, Schüler und Eltern achten sollten.

ECTS-Punkte: ein Maß für Arbeitsaufwand

ECTS steht für European Credit Transfer and Accumulation System. Die Punkte, auch Leistungspunkte oder Credits genannt, messen nicht, wie gut jemand ist, sondern wie viel Arbeit ein Modul verlangt.

  • Ein Studienjahr in Vollzeit entspricht 60 ECTS-Punkten, ein Semester 30 Punkten.
  • Ein Punkt steht für etwa 25 bis 30 Stunden Arbeit. Dazu zählen Vorlesungen und Seminare, aber auch Selbststudium, Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitung.
  • Ein Bachelorstudium umfasst in der Regel 180 bis 240 Punkte, ein Master meist 60 bis 120 Punkte.

Der große Vorteil: Weil fast alle europäischen Hochschulen dieselbe Einheit nutzen, lassen sich Leistungen aus einem Auslandssemester, zum Beispiel über Erasmus+, deutlich leichter anrechnen.

ECTS-Noten: Platzierung statt Punktzahl

Neben den Punkten gibt es die ECTS-Notenskala mit den Buchstaben A bis E für bestandene Leistungen sowie FX und F für nicht bestandene. Das Besondere: Diese Buchstaben beschreiben nicht, wie viele Punkte jemand in einer Klausur erreicht hat, sondern wie man im Vergleich zu den anderen abgeschnitten hat, die bestanden haben.

ECTS-NoteAnteil der Bestandenen
Adie besten 10 %
Bdie nächsten 25 %
Cdie nächsten 30 %
Ddie nächsten 25 %
Edie letzten 10 %
FX / Fnicht bestanden

FX bedeutet, dass nur noch wenig zum Bestehen gefehlt hat. Oft ist dann eine Nachprüfung möglich. F heißt dagegen, dass deutlich mehr Arbeit nötig ist.

Wie passt das zur deutschen Notenskala?

An deutschen Hochschulen gilt weiterhin die bekannte Skala von 1,0 (sehr gut) bis 5,0 (nicht bestanden), wobei 4,0 die letzte bestandene Note ist. Auf dem Zeugnis steht also immer zuerst die deutsche Note. Die ECTS-Note kann zusätzlich angegeben werden, damit eine Hochschule im Ausland die Leistung einordnen kann.

Viele Hochschulen nutzen heute statt der festen Buchstaben sogenannte Notenverteilungstabellen. Darin steht, wie viel Prozent der Studierenden eines Studiengangs eine bestimmte Note erhalten haben. Eine 2,0 kann so in einem Fach sehr gut sein, in einem anderen eher durchschnittlich. Wer genauer verstehen möchte, wie aus einer Rangposition eine ECTS-Note wird und wie Hochschulen solche Tabellen lesen, findet eine ausführliche Erklärung der ECTS-Notenskala (auf Englisch) mit Beispielen und einem Umrechner.

Drei Tipps für die Zeit nach dem Abitur

  1. Studienordnung lesen. Dort steht, wie viele ECTS-Punkte ein Studiengang umfasst und wie Module gewichtet werden.
  2. Auslandssemester früh planen. Vor dem Aufenthalt sollte ein Learning Agreement festlegen, welche Kurse mit wie vielen Punkten angerechnet werden.
  3. Unterlagen aufbewahren. Transcript of Records und Diploma Supplement enthalten oft die ECTS-Angaben und die Notenverteilung. Bei Bewerbungen im Ausland werden genau diese Dokumente verlangt.

ECTS wirkt anfangs technisch, ist aber vor allem ein Werkzeug, das Studieren in Europa einfacher macht. Wer den Unterschied zwischen Punkten und Noten kennt, kann Studienangebote besser vergleichen und Auslandserfahrungen gezielter planen.